"Virtuose Violine"

 


 

Applausreiches Auswärtsspiel

Fünfte Darbietung des Allegro Musikfestivals im Kulturforum Hochtaunus

„Ein Konzert im Rohbau hat doch auch was“, scherzte Veranstalter Karl-Werner Joerg im brandneuen „Kulturforum Hochtaunus“ bei der Begrüßung zum fünften Konzert des Festivals Allegro: Dimiter Ivanov, Konzertmeister beim Frankfurter Museumsorchester, und die Usinger Pianistin und künstlerische Leiterin von Allegro, Friederike Richter, spielten Kammermusik von Mozart, Wilhelmj, Schubert, Paganini und Franck.
Freuen durfte man sich bei diesem zweiten „Auswärtsspiel“ (nach Grävenwiesbach, der UA berichtete) nicht nur auf diese Perlen der Kammermusik, sondern auch auf den in sechsjähriger Eigenarbeit vom Liederkranz Hasselbach neu erbauten Konzertsaal. Die rund 140 Zuhörer konnten Gummistiefel und Helm getrost zu Hause lassen – gerade noch rechtzeitig fertig geworden war dieses Schmuckstück. Es bestand seine Feuertaufe mit Bravour. Violine und Piano waren im gesamten Raum, auch ganz hinten, gleichmäßig gut zu hören und die Nachhallzeit war in einem sehr angenehmen Bereich.

Auf den ambitiösen, weit über Hasselbach hinausweisenden Namen Kulturforum Hochtaunus „hatten wir kein Copyright“, wie Gregor Maier, Fachbereichsleiter Kultur beim Hochtaunuskreis, augenzwinkernd bemerkte.
Mit der „Sonate für Klavier und Violine e-Moll KV304“ von Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791) begannen Richter und Ivanov, die zum ersten Mal gemeinsam auftraten. „Mozart ist für Dilettanten zu leicht und für Berufsmusiker zu schwer“, hatte der Pianist Artur Schnabel einmal bemerkt. In der Tat sind gerade bei diesem Komponisten selbst kleinste Ungenauigkeiten überdeutlich hörbar. Der Vortrag der beiden Musiker war dagegen absolut überzeugend. Ivanovs warmen, strahlenden Violinenklang stand Richters sensibler – und wo es nötig war, auch mal zupackender Anschlag – gegenüber. Der war auf dem Steinway-A Flügel selbst im Forte nie zu hart, nie klirrend, aber dafür klangreich und „tief.“ Aufmerksam stellte Richter auch den gemeinsamen, absolut präzisen Gleichklang her, denn Ivanov konnte die Pianistin aufgrund seiner dem Publikum zugewandten Position nicht sehen.

Nach Franz Schuberts (1797-1828) „Sonate für Violine und Klavier D574“ erklang Niccolo Paganini’s (1782-1840) „La campanella“ und zwar in der Bearbeitung des Geigers Fritz Kreisler. Sehr bekannt, technisch sehr anspruchsvoll und sehr gut intepretiert – vor allem durch Ivanov, während das Piano bei diesem Werk mehr als akkordischer Begleiter und Stichwortgeber fungierte. In Erinnerung sind atemberaubend hohe und gleichzeitig schnell gespielte Flageolettlinien mit der Anmutung einer Glasharfe.

Ein Hauptwerk romantischer Literatur und Prüfstein sondergleichen ist Cesar Francks (1822-1890) „Violinsonate A-Dur FWV8.“ Diese viersätzige und 27 Minuten lange Sonate war ein Hochzeitsgeschenk für Francks belgischen Landmann und Geiger Eugene Ysaye gewesen, der später selber als Komponist berühmt wurde. Typisch für Francks altersweisen Kompositionsstil (Entstehungsjahr 1886) sind mannigfache, gegensätzliche Themen auf einer weiten Skala zwischen Strenge und Fantasie, zwischen tiefer Kontemplation und überschäumender Emphase. Beide Instrumente sind hier gleichberechtigt, und wie Ivanov und Richter diesen Dialog gestalteten, wird in Erinnerung bleiben.

Wunderschön bereits gleich zu Beginn der leicht verschleiert wirkende Violinenton: klagend, mysteriös und etwas rätselhaft. Bedrückend und wie von einer anderen Welt der Ausdruck in den langen Violinensoli des zweiten Satzes „Allegro“. Erst im stürmischen Finale wurden bei beiden Musikern ganz leichte Konditionsprobleme erkennbar. Sehr starker, langer Applaus und zwei Zugaben beendeten eine in zweifacher Hinsicht sehr gelungene Premiere.

Allegro läuft noch bis zum Sonntag 1. September. An dem Tag gibt es zwei Konzerte der Mainzer Virtuosi mit den „Vier Jahreszeiten.“ Einmal für Kinder (11 Uhr im evangelischen Gemeindezentrum Eschbach) und abends um 17 Uhr in der katholischen Laurentiuskirche: Dabei werden dann die Kompositionen von Vivaldi und Piazolla einander gegenübergestellt. Heute findet um 17 Uhr in der Wehrheimer Mitte ein Open-Air Konzert „Best of Irish Folk“ statt. Weitere Informationen im Netz unter www.allegro-musikfest.de.

Horst-Walter Schwager


Quelle: Usinger Anzeiger

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